
... das Vis a Vis ist keine ernstzunehmende Bar und Dirk Becker und Mike Meinke haben sowieso keinen Plan von Spirituosen!
Das zumindest habe ich aus einem Gespräch am Freitag Abend gelernt. Wer mir das beigebracht hat, fragt ihr euch? Ich glaube Ralph war sein Name. Ganz sicher jedoch hat er sich mir als Brand Manager von Bacardi vorgestellt (bitte nicht verwechseln mit Steffen Lohr, der ist Brand Ambassador).
Aber laßt mich von vorne erzählen, die Geschichte ist einfach zu gut!
Wir kamen mit mehreren Barleuten zu schon recht fortgeschrittener Stunde ins Reingold und setzten uns zu ein Paar Kollegen an den Tisch. Neben mir saß Ralph. Wir kamen nett in's Gespräch über den anstehenden Grand Prix, toller Wettbewerb, blabla, alles war gut.
Irgendwann wurden wir dann gefragt, mit welchem Rum wir in der Bar arbeiten, worauf niemand von uns die gewünschte Antwort geben konnte und ich sogar gezwungen war das böse H(avana)-Wort auszusprechen.
Und zack-bumm! Es war Schluss mit Lustisch! Es fing recht harmlos an, in etwa so ...
Ralph: "Das ist wirklich eine Schande! Auf dem Level solltet ihr doch mit hochwertigen Produkten arbeiten!"
...hm...
Ralph: "Havana hat so einen aufdringlichen Eigengeschmack, der doch beim Mixen eher unerwünscht ist"
...doppel hm... und der Fehler zu antworten
Ich: (nett und vorsichtig!) "naja, also was heißt unerwünscht...wenn ich mit Rum mixe, will ich auch, daß mein Drink nach Rum schmeckt. Sonst könnt ich ja auch gleich Wodka nehmen"
darauf Ralph: (jetzt wird's lustig!) "jeder weiß doch, daß ein guter Drink nicht nach seiner Spirituose schmecken sollte! Steffen Lohr ist ja nun wirklich ein richtig guter Barkeeper, einer der es wissen muß, und der würde euch das bestätigen!"
...wir gucken uns ein wenig entgeistert an, ich versuche das Gespräch noch irgendwie zu retten, indem ich den Herren bitte das Thema doch einfach fallenzulassen, da man sich da sicher nicht einigen würde - habe ich zwischendurch ungefähr 5mal versucht, also wehe jemand nennt mich streitsüchtig!
Aber nein, der Mann kommt offensichtlich erst in Fahrt.
Ralph: "jede gute Bar mixt mit Bacardi Superior!"
wir so: "äh, nee!"
nachdem unsere Bars wohl nicht zählten (Vis a Vis, Becketts, Marlene) warfen wir ein Schwergewicht in die Waagschale, den Lebensstern.
Ralph: "kenn ich nicht, aber wenn's da keinen Bacardi Superior gibt, muß ich doch sehr an der Professionalität dieser Bar zweifeln"
...und weiter:
"ein Bartender, der nicht in der Lage ist die Qualität von Bacardi Superior zu erkennen hat keine Ahnung!"
Hier frage ich ihn dann, ob er sich denn nicht darüber im Klaren ist, daß jeder gute Barmensch, der Bacardi Superior benutzt, das nur tut weil er (oder sein Chef) dafür nen Haufen Kohle kriegt.
...und daraufhin:
"Was für eine Ausbildung habt ihr eigentlich? habt ihr ne Rumausbildung???"
äh...hab ich da was verpasst und es gibt da nen neuen Ausbildungsberuf? Nen Studiengang, oder wie?
Na auf jeden Fall ist diese blöde Pöbelei dann der Grund, daß wir ohne ein weiteres Wort den Tisch verlassen und uns doch lieber woanders hinsetzten.
Aber ehrlich, ich muß mich bei Ralph bedanken! Dafür, dass er mich wieder daran erinnert hat, warum ich diese Firma und ihre zweifelhaften Geschäftspraktiken so verabscheue!
Ich kenne keine andere Firma, die es nötig hat ihre Partner vertraglich dazu zu zwingen das direkte Konkurrenzprodukt aus den Regalen zu verbannen. Viele von euch haben mir schon geantwortet "Hey mein Gott, ich brauch nicht unbedingt Havana, es gibt eh bessere Rums." Aber ist das der Punkt? Nein ist er nicht! Der Punkt ist, daß ihr euch vorschreiben laßt womit ihr arbeiten dürft und womit nicht!
Ihr verkauft nicht bloß einen Platz in eurem Regal, ihr verkauft eure Eigenständigkeit, eure Glaubwürdigleit, eure Integrität und eure Ideale.
Aber ihr verkauft auch das Vertrauen eurer Stammgäste, die zu euch kommen, weil sie wissen, daß ihr ihnen keinen Mist verkauft und daß ihr ihre Bedürfnisse ernst nehmt.
Ihr verkauft die Kollegen, die euch bewundern und eurem Urteil trauen, die vielleicht eurem Beispiel folgen.
Die Zusammenarbeit mit der Industrie ist immer ein Drahtseilakt am Rande der Prostitution. Im besten Falle findet man eine Firma, deren Produkte man toll findet und die einen dafür unterstützt. Im schlechtesten Falle macht man einfach nur für Geld die Beine breit.
Naja, hier muß ich sagen, ich habe wirklich noch nie einen Bartender getroffen, der sagt: die Produkte von Bacardi sind genau die, mit denen ich arbeiten will. Trotzdem tun es viele. Pfui!
Dann stellt euch doch lieber mit eingeschnürter Taille und kniehohen Lackstiefeln an die Oranienburger - das wäre wenigstens ehrlich!
Ach und bevor ihr's mir um die Ohren haut: ja, ich habe auch schon beim BMGP mitgemacht, vor drei Jahren als ich noch keine Ahnung hatte von Rum (ach ja, die hab ich ja immernoch nicht) und von Pouringverträgen. Und ja, ich habe auch dieses Jahr ein Rezept eingeschickt und ich schäme mich aufrichtig für diesen Moment der Schwäche. Jetzt hab ich dummerweise auch noch eine Einladung zum Finale bekommen, die ich hiermit ablehne! Ich kann das nicht! Ich will das nicht! Mein Name wird nicht neben dem Fledermauslogo in irgendeiner Pressemitteilung stehen! Und ich werde auch sicher nicht am 30.08. zu Ralph gehen und mich nett für die Einladung bedanken!
Blöd nur, daß ich schon soviel Geld für die Gläser ausgegeben hab...ich frag mich ob da mein Havana Drink reinpasst.....


19 Kommentare:
. . . mein/e held/in .
wenn du wüsstest wie sehr ich dich versteh.
allerdings muss ich sagen, es gibt auch sehr coole fledermaus-vertreter. ne, nick?
Hallo tapferes Schneiderlein,
mit Sicherheit bin ich kein grosser Freund der Fledermaus, eigentlich finde ich sie aehnlich ueberfluessig wie dieser Rum aus der kubanischen Stadt.EGAL...
Das es Vertreter vom Schlage Batman und Robin immer noch existieren ist aeusserst traurig und absolut nicht mehr zeitgemaess. Ralph oder wie auch immer diese mitleidige Karikatur eines Aussendienstler auch heissen mag, hat mal wieder nichts verstanden, aber dafuer besonders viel kaputt gemacht. Ich freue mich schon auf einen Besuch in der Casa Bacardi demnaechst und vielleicht kriege ich ja da auch mal eine (R)umbildung...
Mike Triobar
Ganz großes Kino, Frau Schneider !!!
Schade, dass ich heute arbeiten musste, wäre nämlich gern dabei gewesen...
chapeau..eine frau mit eiern in der hose.
ralph hat sicherlich alles gegeben, was ihm argumentativ zur verfügung stand. trug er zum zeitpunkt seines statements lackstiefel, ein mieder nebst platinblonder perücke? übrigens gibt es auch einen peruanischen hersteller, der es versteht, eine alternative zu liefern.
Heftig.... So verbessert man den Ruf seiner Marke sicher nicht....
Ohne das ich mich zum Geschehenen wirklich äußern will, aber das Produkte (wie Havana) verboten sind, wenn man einen Vertrag mit Bacardi hat, ist Blödsinn. Wir haben den Oro im Pouring, und können uns ins Regal stellen was wir wollen.
Interessant wäre jetzt, ob der Herr das auch wirklich selber glaubt. Scheint aber so :)
Aber man muss sich ja nicht so abfällig über Prostitution äußern, die ist noch um einiges ehrbarer als das hier.
Abartig.
Respekt fürs Ruhigbleiben.
Wie verblendet kann man sein...
Wieviele Gehirnwäsche kann betrieben werden.
Schrecklich.
Grüße
Jonas
Super Bericht! Danke für diese Informationen!
Jetzt muss ich aber erstmals eine Flasche Bacardi Superior kaufen und die neben meinen 100 anderen Rumsorten stellen . sieht sonst so aus als ob ich keine Ahnung habe... ;-)
Dann musst Du aber deine 100 anderen Sorten alle bei mir abgeben, sonst gibt es keinen leckeren Bacardi für Dich! ;P
Gruß Jigger
Also ich verwende Bacardi schon seit Jahren und bin sehr zufrieden damit. Mit ein paar Tropfen des guten Zeugs, mit nem Küchentuch ganz vorsichtig von innen nach außen gewischt werden CD's wieder richtig sauber und springen selbst mit kleinen Kratzern nicht mehr.
Nachtrag: die Fledermaus hat ehrlich Größe bewiesen! Hatte ich mich doch schon darauf eingestellt, daß ein dunkles Auto nachts versucht mich von der Straße zu drängen (gut nur, daß es is Berlion so wenige Klippen gibt...), war die Reaktion eine ganz andere.
Nadine Weisser, Steffen Lohr, Franziska Schubert und Nanna Theet meldeten sich bei mir und entschuldigten sich betroffen für den Fauxpas ihres Kollegen. Wer hätte das gedacht!
Also ohne mein Statement von oben im geringsten zurücknehmen zu wollen, muß ich wohl zähneknirschend zugestehen: "sind wirklich nicht alle so bei der Fledermaus". ;-)
Super!
Hey Große, gut reagiert, aber ärgere Dich nicht über den Neid anderer. Hast im wahrsten Sinne "Größe" bewiesen und Dich öffentlich "ausgekotzt". Ich schätze die Karriereleiter des Ralph wird nicht die längste sein. Liebe Grüße die kleine Franzi A.
Sehr gut gemacht, aber die Verkaufszahlen in Deutschland geben ihm leider recht.
Also gibt es immer noch zu viele Fledermaus Anhänger.
mit einer nicht-teilnahme am diesjährigen BMGP wäre keinem geholfen, am allerwenigsten genau denjenigen bei bacardi, die Du richtigerweise als positiv-beispiele genannt hast, da es zum grossteil eben deren verdienst ist, das sich bei competitions etwas bewegt.
es gibt andere wege trotzdem teil zu nehmen und sich nicht mit einer männlichen fledermaus abgelichtet zu sehen: einfach nicht gewinnen (geht ganz einfach).
was Badman bei Euch in berlin und Robbin' in hamburg anbelangt, so wird die zeit über sie richten, falls dies nicht schon bereits geschenen ist ...
das gehabe ist firmenübergreifend und eher branchentypisch, da wird man nichts dran ändern (naja, vielleicht einfach nicht mehr als chef die spesen übernehmen, dann trinken sie weniger und reden keinen scheissdreck mehr).
mit sicherheit wäre ein verhaltenskodex für vertreter hilfreich, dem sich jeder mitarbeiter verpflichten muss bevor er an uns herantritt; z.b. termine absprechen und nicht ungefragt einfach freitag nacht um ein uhr auftauchen, etc.
generell gilt "nach oben offen", nicht nur im bat-cave zu hamburg.
koogleblitz
Über den Bacardi Superior mag man denken was man mag - es ist und bleibt Geschmackssache. Auch wenn er nicht wirklich mein Fall ist gibt es vereinzelnd Gäste die danach Fragen. Ob dies nun heißt, dass der weiße Bacardi Geschmacklich ein Highlight ist, darüber lässt sich streiten und darüber geht es in diesem Post auch nicht wirklich.
Es ist wichtig für alle zu wissen, dass Bartender sich mit Ihren Produkten auseinandersetzen und meist eine persönliche Bindung zu diesen aufbauen (siehe Christina's Bericht über Wild Turkey). Das Backboard gleicht somit nicht selten einer Ahnengalerie in welcher viele kleine Schätze stehen die in einem Bartender ein Reich an Erinnerungen und freudige Geschmackserlebnisse hervorrufen. In hochwertigen Bars werden auch hochwerige Spirituosen ausgeschenkt und diese unter einander auf ihre Geschmacksnoten abgestimmt. Auf der einen Seite könnte da der Zacapa mit seinen typischen Schokoladennoten stehen, auf der anderen der fruchtige orangige Pyrat XO, dazu ein Trois Rivieres Rhum Agricole mit frischen früchten und Zuckerrohr noten usw. Und eben ein Bacardi 8 Jahre der mit seinen leicht floralen Aromen einen Unterschied zu den anderen Bildet.
Es ist schade wenn ein Representant von Bacardi so verachtent über namenhafte Bars in Berlin redet aber wie mehrere Personen von Bacardi in den letzten Tagen erwähnt haben, hat es sich Bacardi auf die Fahne geschrieben näher am Bartender zu sein. Dass Bacardi eine Reaktion zeigt, unterstreicht dieses Vorhaben und freut mich sehr, dass auch Bacardi diesen Blog liest.
Ein Gast der sich beschwert, ist immer ein Gast, den eine Sache am Herzen liegt.
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