Mittwoch, 4. November 2009

DRINKING WITH DICKENS

Ein wunderbares Schnäppchen konnte ich die Tage in einem englischen Antiquariat machen. Für nur wenige Pfund habe ich ein wunderbares Exemplar der zweiten Auflage von Cedric Dickens' "Drinking with Dickens" erworben. Aus dem Privatbesitz von C. Dickens aus North Cadbury, Somerset. Mit persönlicher Widmung von Cedrik Dickens.

Aus diesem Buch hat uns bereits 2007 Xavier Padovani leckere Gin-Drinks serviert. Und schon damals habe ich mich in dieses Buch verliebt. Es beschreibt auf wunderbare Weise wie "educated" in Dickens' Kreisen getrunken wurde. Charles Dickens beispielsweise hat bereits während des Ankleidens zum Dinner eine Flasche Champagner getrunken und hielt seine Eltern für "Spiesser", nur weil sie sich zusammen eine Flasche geteilt haben. Und sein Ur-Enkel Cedric Dickens hat genau diese Schule genossen und erzählt davon in vielen amüsanten Geschichten aus den engsten Familienkreisen. Freunde und Characters aus seinen Büchern werden unterteilt in "drinker", "good drinker", "medicinal drinker", "desperate drinker" und "drunkards". Cedric Dickens hatte stets Angostura an seinem Nachttisch stehen, nahm morgens zwei Teelöffel davon und behauptet nie in seinem Leben einen Kater gehabt zu haben. Und nachdem er 1857 zum ersten Mal eine Unmenge von Mint Juleps im Pickwick Club in New Orleans genoss, hat er dieses Ereignis jährlich zuhause wiederholt. "Jedes Jahr, sobald die Minze in perfekter Kondition ist, stelle ich alle benötigten Zutaten und Becher in den Froster und lade für den nächsten Tag einen starken und dankbaren Freund ein. Das ist eine Zeremonie die im kleinsten Detail durchgeführt werden muss, aber sie ist es wert: und vergiss nicht, dass eine Flasche Bourbon gerade mal so für zwei reicht."

Viele, viele informative Geschichten wie die von Canon Kir, dem damaligen Bürgermeister von Dijon, der damals einen unglaublich populären Sommerdrink kreirte... den "Kir". Weisser, trockener Burgunder mit Cassis, und als "Kir suprème" mit sparkling Burgunder. Später hat sich dieser Drink zum allseitsbekannten "Kir Royal" weiterentwickelt.

Nahezu alle gängigen Drinks mit vielen Sidekicks und Storys. Rezepte für Liköre die bis zu acht Jahren lagern müssen bis hin zu "Auntie Georgie's Recipe for Ginger Beer". Ein wirklich aussergewöhnliches Buch.

Auch die Variante, auf den "John Collins" zwei dash Angostura zu geben, finde ich grossartig. Das praktiziere ich nämlich schon seit Jahren gerne, habe aber total vergessen wie oder wodurch ich damals darauf gekommen bin.

Die Geschichte des "Swissitch" ist auch sehr interessant. Ein Teelöffel Salz mit einem grossen Schluck Gin im Mund heftig kauen, runterschlucken und in ein Zitronenviertel beissen. Das war der Lebensretter der englischen Armee in Ägypten 1940. "Ein Swissitch gibt dir Appetit - zwei oder mehr machen Essen unnötig. Aber das Salz ist natürlich lebensnotwendig in der Hitze."

Und die "Burnt Pink Gin" Variante musste ich natürlich sofort ausprobieren. Eine Portion Gin in ein Glas geben. Einen Teelöffel voll Angostura anzünden und wenn es gut brennt in den Gin rühren. Mit Wasser nach Geschmack auffüllen. Sensationell.

Cedric Dickens Rezept gegen Jet-Lag ist auch der Hammer. "Vor dem Boarding eine Flasche Champagner trinken. Das ist schonmal wichtig um das Gefühl eines Schafs in der Herde zu unterdrücken, das man an diesen neumodischen Flughäfen hat. Anschliessend zu jeder vollen Stunde eine Viertel Flasche Champagner zügig trinken. Nimm es medizinisch. Trinke während du den Gang rauf und runterspazierst, dann setze dich wieder hin und relaxe bis zur nächsten vollen Stunde. Vergiss nicht, und das ist sehr wichtig, lass keine feste Mahlzeit deine Lippen passieren. Dein Magen ist ein wesentlicher Faktor des Jetlags. Deshalb verwirre ihn indem du ihm nichts zu essen gibst und spül es runter mit deiner regelmässigen Medizin, zu jeder vollen Stunde."

Im Anhang sogar noch ein handschriftlich eingetragenes Rezept, das auch ganz lecker ist:

Alle die dieses Buch noch nicht besitzen, sollten jetzt die Suchmaschinen anwerfen, denn das Buch ist noch zu einem guten Preis und relativ häufig zu finden.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

leider habe ich in noch nie so etwas wie "sparkling grapefruitjuice" gesehen ?!?

Klaus St. Rainer hat gesagt…

Wenn Sie frischen Grapefruitsaft in die Sonne stellen gibt das "sparkling grapefruitjuice"

Olaf Wüstenhagen hat gesagt…

Ein super post über ein anscheinend sehr geniales Buch.
Herr Dickens war ein Lebemann par excellence!!!
Und wie fast alle Bartender verrückt nach Champagner.

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