
Ja, es ist soweit. Die Barfrauenreihe neigt sich dem (zumindest vorläufigen) Ende zu. Und wer könnte einen besseren Abschluss bieten als die wohl bekannteste in dieser Reihe: Franzi Altenberger.
Zugegeben, ich wollte eigentlich mehr schreiben und vor allem Frauen portraitieren, die noch nicht jeder kennt. Aber das hat leider nicht so funktioniert, wie ich mir das gedacht habe. Eine e-mail mit Fragen, die zu beantworten vielleicht 30 Minuten in Anspruch genommen hätte, ging an rund 20 Bartenderinnen, sowie drei Mails zur Erinnerung an die Deadline und mit Bitte um Rückmeldung. Fünf davon haben mir ihre Antworten gemailt und eine hat sich vier Stunden Zeit genommen für ein Interview. Ihre Idee, nicht meine. Dreimal dürft ihr raten, wer die eine war... richtig, Franzi!
Und hier zeigt sich, was sie erfolgreicher und bekannter macht als andere in dem Geschäft: Harte Arbeit, Professionalität und extreme Zielstrebigkeit.
Na auf jeden Fall ist dieses Interview (oder sollte ich sagen der Kaffeeklatsch) daran schuld, daß der Beitrag heute etwas anders ausfällt als die anderen. Sie meldet sich nicht selbst zu Wort, sondern ich erzähle Ihre Geschichte. Und die beginnt im Jahr 1990 in Berlin...
In einer Zeit nämlich, in der nichts mehr so war wie bisher und in der man heute nicht wußte, ob es den Betrieb, in dem man arbeitet morgen noch gibt. Das war das Jahr, in dem die im damaligen Ost-Berlin aufgewachsene Franzi ihre Ausbildung als Restaurantfachfrau began. Die sogenannten "Konkursazubis" wurden von einem Betrieb zum anderen geschoben. Niemand wusste so recht etwas mit ihnen anzufangen und ihre Zukunft war recht ungewiss. "Damals habe ich gelernt, mich schnell anzupassen und mich durchzubeißen", so Franzi.
Und durchgebissen hat sie sich tatsächlich. Nach nur zweieinhalb Jahren beendete das nur 164cm kleine Energiebündel seine Ausbildung und gewann ganz nebenbei auch noch die Berliner Jugendmeisterschaften.
Von da aus ging es dann eigentlich auf mehr oder weniger geraden Weg direkt an die Bar und zwar keine geringe als Harry's New York Bar in Berlin, wo sie es recht bald schaffte sich einen Stammplatz am Tresen zu erkämpfen.
Wir dürfen nicht vergessen, wir reden hier von 1995, einer Zeit in der Frauen hinter der Bar ungefähr so häufig zu finden waren wie Chartshows auf MTV ohne Dj Bobo, Rednex und Scooter. Man kann schon sagen, daß sie so was wie eine Pionierin war, vor allem da sie es bis zur Stellvertretenden Barchefin brachte.
Als Franzi mir erzählte, daß es anfangs nicht ganz leicht war ihrer Familie und vor allem ihrerMutter klarzumachen, daß in einer Bar zu arbeiten nichts anrüchiges ist und sie keine "Bardame" ist, sondern Barkeeperin (so hieß das damals noch), mußte ich doch ein wenig schmunzeln. Kenne ich doch irgendwoher...
Weitere Stationen auf ihrem Weg waren dann unter anderem die Spielbank in Wiesbaden und der King Kamehameha Club in Frankfurt, bevor sie sich dann schließlich 2003 - zwei Jahre nach der Geburt ihrer Tochter- mit ihrem mobilen Cocktailservice selbstständig machte.
Ich sollte auch nicht vergesen zu erwähnen, daß Franzi wohl mehr Wettbewerbe gewonnen hat, als so ziemlich jeder andere Bartender den ich kenne.
Trotzdem ist sie auf dem Boden geblieben. Sie nimmt sich selbst nicht so ernst, hält sich nicht für eine Mixologin und versucht auch nicht das Rad der Barkultur täglich neu zu erfinden. Sie macht gute Drinks für ihre Gäste und mehr will sie auch garnicht.
Nachtrag: Zum Abschluss hat mir Franzi doch noch ein paar Zeilen geschickt, die ich jetzt hier als Schlusswort stehen lassen möchte...
"Jeder kann seines Erfolges eigener Schmied sein. Das klappt aber nur mit Fleiß, Diziplin und Freude am Job. Für alle, die das verinnerlichen dürfte der Erfolg vorprogrammiert sein. Nur mit Beständigkeit schafft man im Finanzkrisenjahr einen Umsatzrekord mit Tendenz nach oben. Das wünsche ich jedem, der seinen Beruf liebt und lebt. In diesem Sinne - immer positiv sein und sich selbst nicht wichtiger nehmen als man tatsächlich ist."


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