Mittwoch, 3. Februar 2010

Bier in der Bar ???

Es ist Zeit mal eine Lanze zu brechen. Ich weiß, dass fast jeder Barkeeper Bier und Wodka meidet wie der Vampir das Tageslicht und den Knoblauch. Dabei sollte ein gepflegtes Bier in einer gut sortierten Bar auf gar keinen Fall fehlen. Aber auch hier zählt, wie bei den Spirituosen natürlich in erster Linie die Qualität. Hier erlebe ich aber immer wieder, dass die Bars eher versuchen „Exoten“ ins Programm zu nehmen, damit man sich doch von den anderen Bars abhebt. Funktioniert aber nur dann, wenn auch der Geschmack stimmt.

Klar, gehe ich in eine Bar um anständige Mischgetränke zu mir zu nehmen. Es gibt aber eben auch immer den ein- oder anderen, der zwischendurch mal ein Bierchen braucht. Und für eine Bar ist es natürlich nahezu perfekt Flaschenbier zu servieren ohne teure Zapfanlage und alles was damit zusammenhängt.

Aber es scheint, dass die Barbetreiber einem Trend folgen, denn der Bierkonsum in Deutschland ist seit Jahren Rückläufig. Nun zeigte sich auch im Gesamtabsatz, dass dieser im Jahre 2009 um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr 2008 eingebrochen ist. Dieses Minus ist so stark, wie nie zuvor! Und die Tendenz zeigt weiter deutlich nach unten. Die aktuellen Zahlen wurden vom Deutschen-Brauer-Bund vorgelegt. Die deutschen sind von einer einst stolzen Biernation zu einem Volk von Kaffee- (Platz1) und Mineralwassertrinkern (Platz2) verkommen.

Jahr Bier
insgesamt je Einwohner
Millionen Hektoliter
Liter
1970 85,6
141,1
1980 89,8
145,9
1990 98,3
142,7
1991 113,9
141,9
1992 114,4
142,0
1993 110,3
135,9
1994 112,4
138,0
1995 111,0
135,9
1996 108,0
131,9
1997
107,7
131,2
1998
104,6 127,5
1999
104,8 127,6
2000 103,3
125,6
2001 101,0
122,6
2002 100,6
121,9
2003 97,2*
117,8
2004 95,7*
116,0
2005 95,1*
115,3
2006 95,5*
116,0
2007 91,9* 111,8
2008 91,1** 111,1

Es herrscht mittlerweile Alarmbereitschaft bei den deutschen Brauereien, so wird auf der einen Seite immer weniger Bier getrunken und auf der anderen Seite werden die Rohstoffpreise und Energiekosten immer höher. Ein Teufelskreis, der entweder zu Lasten der Angestellten mit Entlassungen oder zu Lasten der Konsumenten mit einem höheren Bierpreis abgefedert werden kann. Ebenso kommen der bisher verhaltene Sommer und das Rauchverbot hinzu. “Das macht uns wahnsinnig.”, so der Vizepräsident des Brauerbundes, Michael Weiß.

Da ich ja das Glück hatte eine Berufsausbildung als Brauer und Mälzer bei der Berliner Kindl Brauerei zu absolvieren und in diesem Beruf auch zu arbeiten, weiß ich ja worüber ich hier schreibe.

Das Deutschland an Qualität und Quantität in Sachen Bierherstellung, Sorten und Geschmacksvielfalt an erster Stelle steht ist klar.

Mein Bierfavorit kommt aber aus der Tschechoslowakei. Es ist das berühmte Budweiser.

Es hat für mich alles was ein Pils haben muss. Ein Dominater Pils Geschmack, angenehme süße und eine feine bittere Note und diese unglaublich kräftige Bernsteinfarbe. Und trotzdem hebt es sich von den anderen, zum Beispiel deutschen Bieren, ab.

Und das hängt damit zusammen, dass in damaligen Zeiten tschechische Brauereien finanziell nicht so gut aufgestellt waren, wie andere Westeuropäische Brauereien. Aus diesem Grund wurde natürlich gespart wo es ging. Und das wurde dann unter anderem bei der Filtration und Reifung des Bieres getan. Das hieß natürlich nicht, dass das Bier trüb war und dann so verkauft wurde. Nein, vielmehr wurde an der Reifung und somit am Abbau der Gärungsnebenprodukte gespart, so dass speziell das Budweiser dabei geschmacklich gewann. Glück im Ungluck. Der Nachteil ist aber dabei, dass zu diesen Nebenprodukten auch Fuselalkohole zählen. Die verursachen am nächsten Tag die berühmten Kopfschmerzen.

Aber es gibt zwei Nebenprodukte, die das Budweiseraroma ausmachen. Das ist Diacetyl und Ester.

Das Diacetyl hat einen zarten Honig- butterartigen Geschmack, dass im Budweiser sehr ausgeprägt ist. Das Ester bringt eine feine fruchtige Note hinein, die nur sehr leicht im Budweiser präsent ist. Beides harmoniert im Budweiser perfekt miteinander.

Ester ist vor allem aus dem Bayrischem Weißbier(Weizen)bekannt. Dort entfaltet es eine leicht bananige Note. Was andere wieder dazu bewog das Weizenbier mit einem kräftigen Schluck Bananensaft noch zu unterstützen. Aber ich schweife ab, dass soll hier nicht weiter ausgeführt werden.

Aber damit ich nicht zu sehr in den Chemieunterricht abgleite hier die Charakteristik des Gebräus:


Stammwürzegehalt: 11,5 %,


Alkoholgehalt: 5,0 Vol.%


Geschmack: Reichhaltige, komplexe Malzsüße kombiniert mit einer ausgeprägten, aber doch weichen und abgerundeten Bittere, sowie einem Gewürzgeschmack von Saazer Hopfen. Feiner sehr präsenter buttriger Geschmack. Die Bittere ist vorherrschend aber niemals harsch und nicht lange anhaltend. Der Nachgeschmack wirkt ausgewogen zwischen Malz und Hopfen. Rein.

Aroma: Schwer, mit komplexem Malz- und würzigem, blumigem Hopfenbouquet von Saazer Hopfen, sonst rein, etwas fruchtige Ester.

Aussehen: Sehr kräftig bernsteinfarben bis dunkel poliert goldfarben, sehr klar, mit einer kompakten, langen haltbaren, cremigen weißen Blume.

Es ist an der Zeit, ein tolles Bier in der Bar zu präsentieren, wo der Barkeeper genauso dahinter steht, wie hinter seinen tollen Spirituosen. Dafür muss man sich natürlich auch etwas mit Bier beschäftigen und viel probieren. Ganz so Komplex wie Wein ist das Bierthema aber nicht. Von daher muss man sich nur trauen. Was mich interessiert ist: Welches Bier habt ihr in der Bar? Und was waren die Gründe sich genau für dieses zu entscheiden? Oder warum gibt es bei euch gar kein Bier?

Jetzt jedenfalls werde ich mir jetzt erst mal ein schönes kühles Bier genehmigen.

Bis demnächst Euer Olaf

6 Kommentare:

Jean-Pierre Ebert hat gesagt…

Die Bier-Exoten im Programm von Cocktailbars haben zumeist nichts damit zu tun, dass man sich von anderen Bars abheben möchte. Die Motivation liegt ganz woanders. Es geht u.a. (!!!) darum überhaupt ein, zwei oder drei Biere zu haben, weil man eben mindestens ein Bier haben sollte - wenn es geht mit einem guten WKZ in irgendeiner Form. Eine Cocktailbar ist kein Pub oder Kneipe, es ist ein Frage des Prinzips, ob Umsätze mit Bier oder geschüttelten oder gerührten Getränken gemacht werden soll. Es geht prinzipiell um die Frage was bin ich - Kneipe, Pub, Club ... oder eben eine Bar.

Die Frage, was des Barkeepers Lieblingsgetränk im Allgemeinen ist, mit ziemlicher Sicherheit Bier, möchte an der Stelle aufgrund der Klarheit, nicht weiter erörtern.

Olaf Wüstenhagen hat gesagt…

Hallo Jean Pierre,
erst mal vielen dank für deine offenen Worte.
Genau dieser Frage wollte ich auf den Grund gehen, da ich ja selbst kein Gastronom bin.

Und den letzten Satz kann ich zumindest aus vielen Beobachtungen bei einigen Barkeepern bestätigen!!!
Olaf

Jonas hat gesagt…

Schöner Beitrag.
Ich bin selbst Bierliebhaber und kann auch deine Ausführungen zu Budweiser verstehen.
Sicher eins der großartigsten Biere (und es gibt so viele tolle Biere)

In meiner Gegend findet man in Bars normalerweise schon Bier. Jedoch nichtmal exotische Gebräue, sondern meist die üblichen Verdächtigen.
Ein Tannenzäpfle ist da schon das höchste der Gefühle.

Schade eigentlich. Denn bei mir ist das so bisschen wie bei Wein.
Wenn ich einige Gläser getrunken habe, möchte ich einfach (meist zum Schluss) irgendwann ein Bierchen.

Grüße
Jonas

Anonym hat gesagt…

Als kleinen Hinweis: Die Tschechoslowakei gibt es seit 17 Jahren nicht mehr. Das Bier ist aus Tschechien!

Olaf Wüstenhagen hat gesagt…

Hallo Herr oder Frau Anonym.

Wie ich sehe, sind sie ein sehr aufmerksamer Leser dieses Blogs. Sie haben mit ihrer Anmerkung natürlich recht. Sorry, für diesen Fehler.
Schade, dass sie sich zum eigentlichen Thema nicht geäußert haben.
Mit freundlichen Grüßen Olaf

sven hat gesagt…

Hi Olaf,

eine gute Bar braucht unbedingt ein gutes, kaltes Bier, egal, ob Pils oder ein anderes.
Da ich allerdings an der Bar nicht müde werde, den Gästen zu erklären, dass Budweiser kein Pils ist, auch wenn Saatzer-Hopfen verwendet wird, möchte ich dies hier natürlich auch tun, nur zur Vervollständigung. Gebe Dir eben recht, dass man sich damit einfach nur auseinander setzen muss. ;-))
beste grüsse
sven

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